Wirkt sich der Güterstand auf das Erbrecht des Ehegatten aus?

Maraike Lehnhoff

Maraike Lehnhoff

Ehegatten als Erben haben eine Sonderstellung im Erbrecht. Das liegt am Güterstand, der sich auf die gesetzliche Erbquote auswirkt. Wurde kein Ehevertrag geschlossen, gilt der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Will man die Zugewinngemeinschaft nicht (dafür kann es gute Gründe geben), kann der Güterstand der Gütertrennung oder der (sehr seltene) Güterstand der Gütergemeinschaft vereinbart werden. Wer das will, muss zum Notar und dort einen entsprechenden Ehevertrag beurkunden. Wie wirkt sich jetzt der Güterstand aus?

In der Zugewinngemeinschaft erbt der Ehegatte ¼ und erhält ein zusätzliches Viertel als pauschalen Zugewinnausgleich. Vereinfacht ausgedrückt: Der Ehegatte erbt die Hälfte. In der Gütergemeinschaft erbt der Ehegatte nur ¼. Komplizierter ist es bei der Gütertrennung: Dort erbt der Ehegatte mindestens ¼, bei ein oder zwei Kindern jedoch zu gleichen Teilen mit den Kindern, d.h. ½ (bei 1 Kind) bzw. 1/3 (bei 2 Kinder). Die gesetzliche Erbquote ist unter zwei Gesichtspunkten wichtig: Zum einen, wenn sich die Erbfolge mangels letztwilliger Verfügung nur nach dem Gesetz richtet. Zum anderen, wenn die Ehegatten sich im ersten Erbgang gegenseitig zu Alleinerben einsetzen und damit die Kinder enterbt werden. Die Kinder hätten im zweiten Fall einen Pflichtteilsanspruch, der sich nach der gesetzlichen Erbquote richtet. Das führt dazu, dass bei Gütergemeinschaft und Gütertrennung (bei mehr als einem Kind) die Kinder aufgrund der geringeren gesetzlichen Erbquote des Ehegatten einen höheren Pflichtteilsanspruch haben.

 

Um diese meist ungewünschte Folge bei Veränderungen des Güterstandes zu verhindern, kann als Güterstand die sog. modifizierte Zugewinngemeinschaft vereinbart werden. Im Fall der Beendigung der Ehe durch Scheidung gilt dann Gütertrennung, im Falle der Beendigung durch den Tod Zugewinngemeinschaft. Ehevertrag und letztwillige Verfügungen sollten für den Einzelfall sorgfältig durchdacht und aufeinander abgestimmt werden.

 

Maraike Lehnhoff
Fachanwältin für Erbrecht

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