Darf mich mein Arbeitgeber immer und überall anrufen?

Anja Berger

Viele Arbeitnehmer stellen sich oft die Frage, ob Sie eigentlich verpflichtet sind, dem Chef die private Handynummer herauszugeben. Denn eins ist sicher, weiß der Arbeitgeber einmal die Nummer, kann man sich nicht mehr sicher sein, zu welcher Tages- oder Nachtzeit der Chef anruft. Als Arbeitnehmer will und braucht man ab und zu seine Ruhe, ob im Urlaub oder aber auch bei einem wichtigen privaten Termin. Das Landesarbeitsgericht in Thüringen hat jetzt entschieden (AZ 6 Sa 442/17 und 6 Sa 444/17 vom 16.Mai 2018), dass die Arbeitnehmer eines Landkreises zur Absicherung eines Notfalldienstes außerhalb der Rufbereitschaft die privaten Handynummern nicht herausgeben müssen.

Der Fall

Um was ging`s? Ein kommunaler Arbeitgeber hat im Betrieb Rufbereitschaft verankert. Die Rufbereitschaft wurde für die Einrichtung eines Notdienstes umstrukturiert. Im Rahmen der Veränderung wollte nun der Arbeitgeber die privaten Mobilnummern der Angestellten, um diese auch außerhalb des Bereitschaftsdienstes erreichen zu können, um im Notfall handlungsfähig zu sein. Unabhängig von der Frage, ob das Vorgehen arbeitsrechtlich zulässig ist oder nicht, stellt die Aufforderung zur Herausgabe der privaten Handynummer laut Thüringer Landesarbeitsgericht einen erheblichen Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung dar. Der Eingriff müsse durch ein berechtigtes Interesse des Arbeitgebers gerechtfertigt sein. Dies sei hier nicht gegeben, da die Herausgabe der Nummer ein besonders tiefer Eingriff in die persönliche Sphäre des Arbeitnehmers sei. Der Arbeitnehmer könne sich dann nicht mehr ohne Rechtfertigungsdruck dem Arbeitgeber entziehen und zur Ruhe kommen. Der Arbeitgeber habe hier das Problem selbst durch Systemveränderungen geschaffen und es gäbe noch andere Möglichkeiten zur Absicherung gegen Notfälle, so die Thüringer Richter.

Fazit

Lassen Sie sich vom Anwalt beraten, wenn Ihr Arbeitgeber Informationen von Ihnen will und Sie nicht wissen, ob Sie zur Herausgabe verpflichtet sind. Dann steht dem ruhigen Urlaub nichts mehr im Weg.

Anja Berger
Rechtsanwältin
Fachanwältin für Arbeitsrecht

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