Rechte und Pflichten der Angehörigen im Erbfall – Teil 3: Die Enkelkinder

Folgender Beispielfall: Die Familie Muster aus Trittau besteht aus Mutter, Vater, einer Tochter und einem Sohn, der bereits vorverstorben ist, selbst aber drei minderjährige Kinder hinterlassen hat. Mutter und Vater haben ein gemeinsames Testament errichtet – und zwar ein sog. Berliner Testament. Darin haben sie sich gegenseitig zu Alleinerben eingesetzt und für den Fall, dass beide verstorben sind, die Kinder, ersatzweise die Enkelkinder als Schlusserben bestimmt. Der Vater verstirbt als Erstes. Die Mutter ist damit testamentarische Alleinerbin geworden.

Ohne letztwillige Verfügung gilt gesetzliche Erbfolge

Wäre der Vater ohne Testament verstorben, würde sich die Erbfolge nach den gesetzlichen Vorschriften richten. Es würden erben (bei einer unterstellten Zugewinngemeinschaft): die Mutter zu 1/2, die Tochter zu 1/4 und die Enkelkinder zu je 1/12. Die Erbquote der Enkel entspricht also in Summe 3/12 = 1/4 dem Anspruch, den ihr vorverstorbener Vater gehabt hätte. Der Tod des Sohnes hätte also auf den Erbanspruch seiner Tochter in diesem Fall keine Auswirkung. Ihr Anspruch würde durch ihre Neffen / Nichten nicht geringer werden.

„Berliner Testament“ – was bedeutet das nach dem Tod des Erstversterbenden für die Kinder?

Zurück zu dem Beispiel: Unser Trittauer Ehepaar hat aber durch ihr gemeinschaftliches Testament die gesetzliche Erbfolge ausgeschlossen und verfügt, dass Mutter Muster zunächst Alleinerbin geworden ist. Kinder haben in solchen Fällen regelmäßig einen Pflichtteilsanspruch in Höhe der Hälfte ihres gesetzlichen Erbanspruches. Dies gilt auch für Enkel eines Erblassers, wenn der Elternteil des Kindes, über den das Kind mit dem Erblasser verwandt ist, hier der Sohn, bereits vor dem Elternteil verstorben ist. Die Enkel hätten also jeweils einen Pflichtteilsanspruch in Höhe von 1/24 (= die Hälfte von 1/12).

Was gilt nach dem Tod des Längstlebenden?

Stirbt nun Frau Muster, erben ihre Tochter und die Enkelkinder. Sie bilden eine Erbengemeinschaft, an der die Tochter zu 1/2 und die Enkelkinder zu jeweils 1/6 beteiligt sind. Probleme treten in solchen Konstellationen häufig auf, wenn die Kinder minderjährig sind. Die Erbengemeinschaft kann nur gemeinsam entscheiden, die Kinder könnten aber aufgrund ihrer Minderjährigkeit selbst keine Entscheidungen treffen.

Regelmäßig ist das Familiengericht beteiligt

Wer das vermeiden will, sollte sich Rechtsrat bei spezialisierten Rechtsanwälten und/oder Notaren einholen und ein durchdachtes, sorgfältig formuliertes Testament errichten.

Maraike Lehnhoff
Rechtsanwältin
Fachanwältin für Erbrecht

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