Rechte und Pflichten der Angehörigen im Erbfall – Teil 2: Die Kinder

Die Familie Muster besteht aus Mutter, Vater und zwei Kindern. Mutter und Vater haben ein gemeinsames Testament errichtet. In diesem Testament haben sie sich gegenseitig zu Alleinerben eingesetzt und für den Fall, dass beide verstorben sind, die Kinder als Schlusserben bestimmt. Die Mutter verstirbt als Erste. Der Vater ist testamentarischer Alleinerbe.

Gesetzliche Erbfolge

Wäre die Mutter ohne Testament verstorben, würde die gesetzliche Erbfolge zum Zuge kommen und (bei Zugewinngemeinschaft) der Vater zu ½, K1 und K2 je zu ¼ Erbe werden. Sie würden eine Erbengemeinschaft bilden. Das bedeutet, alles, was vorher im Eigentum der Mutter stand, ginge in das Eigentum der Erbengemeinschaft über, an der der Vater und die Kinder entsprechend ihrer Erbanteile beteiligt sind.

Die Erbengemeinschaft muss zur Verteilung des Nachlasses auseinandergesetzt werden und kann dabei nur einstimmig entscheiden. Einigen sich die Mitglieder der Erbengemeinschaft nicht, drohen Gerichtsverfahren. Sind Immobilien betroffen, droht die Zwangsversteigerung.

Pflichtteilsanspruch

Diese Probleme haben Mutter und Vater der Familie Muster vermieden, indem sie das Testament errichtet haben. Der Vater kann als Alleinerbe auch alleine entscheiden. K1 und K2 sind zwar nicht Erben geworden, Ihnen bleibt jedoch ein Pflichtteilsanspruch. Der Pflichtteilsanspruch entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbanspruches, hier also der Hälfte von ¼, also 1/8.

Pflichtteilsverzichtsvertrag

Der Pflichtteilsanspruch ist ein reiner Geldzahlungsanspruch. Die Kinder werden nicht im Grundbuch eingetragen und können auch keine Gegenstände aus dem Nachlass für sich beanspruchen. Ausgezahlt werden muss der Pflichtteil nur, wenn die Kinder dies fordern. Problematisch wird es in solchen Fällen immer dann, wenn die selbst bewohnte Immobilie der Eltern den einzigen Vermögensgegenstand darstellt. Häufig führt dann die Geltendmachung des Pflichtteilsanspruches dazu, dass die Immobilie zur Auszahlung der Ansprüche veräußert werden muss. Wirksam verhindern lässt sich Geltendmachung des Pflichtteilsanspruches nur durch einen zu Lebzeiten geschlossenen notariellen Pflichtteilsverzichtsvertrag.

Zur Vermeidung von Rechtsstreitigkeiten sollten sich Familien frühzeitig durch fachkundige Berater über die Möglichkeiten der Nachlassgestaltung informieren lassen. So können auch rechtzeitig erbschaftsteuerliche Problemstellungen aufgedeckt werden.

Maraike Lehnhoff
Rechtsanwältin

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