Rechte und Pflichten der Angehörigen im Erbfall – Teil 1: Der Ehegatte

Die Familie Muster besteht aus Mutter, Vater und zwei Kindern. Mutter und Vater haben keinen Ehevertrag geschlossen, es gilt daher der Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Der Vater verstirbt, ohne, dass er ein Testament errichtet hat. Es gilt die gesetzliche Erbfolge: Die Mutter erbt zu ½, die Kinder gemeinsam die andere Hälfte.

Angenommen der Nachlasswert beträgt 200.000,00 €, erhält die Mutter hiervon nach der gesetzlichen Erbfolge 100.000,00 €, die Kinder je 50.000,00 €.

Die Mutter hat ein Wahlrecht

Sie kann das Erbe auch ausschlagen und stattdessen den Zugewinnausgleich verlangen und ihren Pflichtteilsanspruch geltend machen. Da Mutter und Vater Muster vollkommen vermögenslos in die Ehe gestartet sind und die Mutter nie gearbeitet hat, ist der ganze Nachlass als Zugewinn des Vaters zu qualifizieren. Das bedeutet die Mutter kann 100.000,00 € als Zugewinnausgleich verlangen. Daneben kann sie von den verbleibenden 100.000,00 € ihren Pflichtteil in Höhe von 1/8, d.h. in Höhe 12.500,00 € verlangen. Die Mutter würde dann nicht 100.000,00 € sondern 112.500,00 € erhalten.

Das Wahlrecht des Ehegatten gilt selbstverständlich auch für Väter und muss binnen der üblichen Ausschlagungsfrist (d.h. binnen sechs Wochen nach Kenntnis vom Anfall der Erbschaft) durch Ausschlagung der Erbschaft ausgeübt werden.

Wird die Mutter nicht Erbin, weil der Vater ein Testament zugunsten der Kinder errichtet hat, hat sie die Möglichkeit ebenfalls den Zugewinnausgleichsanspruch und ihren Pflichtteil geltend zu machen. Bleibt es bei der oben dargestellten Verteilung der Vermögenswerte, erhält die Mutter auch hier 112.500,00 €. Haben Mutter und Vater allerdings während der Ehe beide einen Zugewinn in Höhe von 200.000,00 € erzielt, hat die Mutter keinen Zugewinnausgleichsanspruch und kann lediglich Zahlung des Pflichtteilsanspruches von 1/8 des Nachlasswertes von 200.000,00 € also in Höhe von 25.000,00 € verlangen.

Es empfiehlt sich also nicht nur zu Lebzeiten ein Testament zu errichten, sondern auch nach dem Tod die Optionen durch einen fachkundigen Berater beleuchten zu lassen.

Maraike Hagelmann
Rechtsanwältin

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