Hausratversicherung zahlt nur bei Einbruchsspuren

Dunkle Jahreszeit – Einbruchszeit

Es ist bekannt, dass man im Falle eines Einbruchs den Schaden unverzüglich der Hausratversicherung und der Polizei zu melden sowie eine sog. Stehlgutliste einzureichen hat. Voraussetzung dafür, dass der Schaden von der Hausratversicherung ersetzt wird, ist jedoch, dass ein Wohnungseinbruch nachgewiesen wird. Dies ist in der Regel schwierig, weil selten noch ein Einbrecher in der Wohnung angetroffen wird. Daher ist es nach der Rechtsprechung ausreichend, das äußere Bild eines bedingungsgemäßen Einbruchs zu beweisen, insbesondere durch Einbruchsspuren. Diese Spuren müssen nach einer neueren Entscheidung des BGH vom 8.4.2015 auch nicht zweifelsfrei auf einen Einbruch schließen lassen.

In der letzten Zeit häufen sich jedoch die Fälle, in denen von den Einbrechern der Schließzylinder scheinbar mitgenommen wurde. Wenn der Zylinder gewaltsam entfernt wurde, lassen sich in der Regel trotzdem Spuren an der Tür oder dem Schloss finden.

Einbruch ohne Spuren

Es gibt jedoch offensichtlich auch Möglichkeiten, das Schloß mit sog. Pick-Sets zu öffnen, ohne Spuren am Schloss zu hinterlassen. Nach einem Urteil des OLG Frankfurt, fehlt in einem solchen Fall aber der Nachweis des äußeren Bildes eines Einbruchs.

Beweiserleichterung für die Hausratversicherung

In solchen Fällen kann zugunsten des Versicherungsnehmers eine Beweiserleichterung gelten, wenn jede andere Möglichkeit als die des Einbruchs ausscheidet. Auch dann wäre das äußere Bild eines Einbruchs bewiesen. In diesem Fall hätte der Versicherungsnehmer beispielsweise darlegen müssen, dass nach der Lebenserfahrung darauf zu schließen ist, dass keiner der vorhandenen normalen Schlüssel zur Wohnungstür benutzt worden sein kann bzw. dass auch nicht die Möglichkeit eines Nachschlüsseldiebstahls mit Hilfe eines zuvor heimlich kopierten Originalschlüssels bestand.

Spuren am Schlüssel oder Schließzylinder

Gelingt dies nicht, unterstellen Versicherungen oft, dass der Versicherungsfall nur vorgetäuscht worden sei, nachdem die Tür mit einem normalen Schlüssel geöffnet und anschließend der Schließzylinder ausgebaut worden sei. Umstände, die die Verwendung eines falschen Schlüssels wahrscheinlich machen, können insbesondere Duplizierspuren an einem Originalschlüssel sein sowie diesbezügliche Spuren im Schließzylinder, so das Landgericht Dortmund in einem Urteil vom 17.03.2016.

Henning Doth
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Medizinrecht

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