Digitaler Nachlass – Möglichkeiten der Vorsorge

Der digitale Nachlass im Erbrecht ist heute schon sehr groß und wird in Zukunft noch weiter steigen. Es geht um die Frage, wie mit Internetaktivitäten von Verstorbenen bzw. Geschäftsunfähigen umzugehen ist.

– Wie kann der „digitale Nachlass“ schnell abgewickelt werden?
– Was umfasst der digitale Nachlass?

Die Juristen sprechen beim digitalen Nachlass neben der kompletten Hard- und Software des Erblassers auch von seinen lokalen Datenträgern oder im Internet gespeicherten Daten sowie insbesondere allen Zugängen im Internet. Ebenfalls vom digitalen Nachlass umfasst sind alle E-Mails des Erblassers, dessen Rechte an Websites und Blogs, Fotos, Videos und Textbeiträge, die im Internet veröffentlicht wurden. Es zählen zum digitalen Nachlass auch alle Vertragsbeziehungen, die über das Internet zustande gekommen sind sowie sämtliche Beziehungen zu Access oder E-Mail-Account-Provider.

Welche Möglichkeiten der Vorsorge für den digitalen Nachlass gibt es?

Ausdrücklich abzuraten ist, alle relevanten online Aktivitäten samt dazugehörigen Passwörtern in einem privat geführten digitalen Verzeichnis aufzulisten. Die damit verbundenen Nachteile und Risiken sind zu groß.

Abzuraten ist auch von der Möglichkeit, Zugangsdaten im Testament oder in einer Vorsorgevollmacht zu nennen. Die Informationen in Testamenten und Vorsorgevollmachten gelangen in viele Hände, zum Beispiel Pflichtteilsberechtigte oder bei Vorsorgevollmachten Krankenhäuser.

Aktuell einzige sinnvolle Möglichkeit ist die Schaffung einer konkreten Zugriffsmöglichkeit für die Erben bzw. Vorsorgebevollmächtigten mittels einer beim Notar verwahrten Urkunde, die den Zugang zu den digitalen Daten ermöglicht.

Lokaler Datenträger mit Masterpasswort

Es empfiehlt sich eine Auflistung sämtlicher relevanter Internetaktivitäten samt dazugehöriger Passwörter und Zugangsdaten auf einem mit Masterpasswort geschützten lokalen Datenträger zu speichern. Der Datenträger wird vom Erblasser privat verwahrt. Aus einer notariell zu errichtenden Vorsorgeurkunde ergibt sich dieses „Masterpasswort“, mit welchem der Datenträger entschlüsselt werden kann.

Dieses Masterpasswort wird beim Notar mit der konkreten Anweisung hinterlegt, an welche Personen das Passwort herauszugeben ist. Der Notar ist eine neutrale Instanz, der eine sichere Verwahrung des Masterpasswortes garantiert und über seine Schweigepflicht dem Datenschutz hinreichend Rechnung trägt.

Es bleibt abzuwarten, ob sich dieses komplexe Verfahren durchsetzen oder ob es in absehbarer Zukunft eine zentral betriebene Datenbank zum Schutz des digitalen Nachlasses geben wird.

Matthias Winterstein
Rechtsanwalt und Notar
Fachanwalt für Erbrecht

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