Auskunftsanspruch über das gemeinsame Kind

Leben die Eltern eines gemeinsamen Kindes voneinander getrennt, ist u.a. der Umgang mit dem Kind und dem nichtbetreuenden Elternteil zu regeln.

Was viele nicht wissen

Der Elternteil, bei dem das Kind nicht seinen Lebensmittelpunkt hat, hat einen Auskunftsanspruch über das Kind gegenüber dem betreuenden Elternteil. Diese Informationen sind in einem gewissen zeitlichen Abstand mitzuteilen.

Entscheidung des Oberlandesgerichtes Hamm

(Beschluss v. 25.11.2015, Az. 2 WF 191/15) In diesem Fall verweigerte die Mutter die Übermittlung von Informationen des Kindes. Erschwerend kam hinzu, dass der Vater sich in Haft befand. Er begehrte halbjährliche Informationen u.a. auch die Übersendung von Fotos.

Die Mutter verweigerte dies mit der Begründung, dass er eine Entführung des Kindes plane. Dies habe er in einem Chatverlauf mit dem Bruder der Mutter geschrieben. Darüber hinaus habe er hasserfüllte Aussagen gegenüber der Mutter als auch dem Kind geschrieben. Sie war der Auffassung, dem Kindesvater gehe es nicht ansatzweise um die Interessen des Kindes, sondern allein um die Ausübung von Macht.

Das zuständige Jugendamt hat jedoch keine Gefahr einer Entführung gesehen und auch keine anderen Anhaltspunkte, dass der Kindesvater die Informationen oder Bilder des Kindes für anderweitige Zwecke missbrauchen wolle.

Was sagt das Gericht dazu?

Das Gericht gibt dem Kindesvater Recht und betont, dass Gründe, die sogar dazu führen, dass es kein Umgangsrecht gebe, für sich allein nicht ausreichen, den Auskunftsanspruch abzulehnen. Eine solche Ablehnung soll nur dann in Betracht kommen, wenn sich aus den objektiven Umständen ergibt, dass der Kindesvater mit den Auskünften über das Kind missbräuchliche Ziele verfolge. Der Umstand, dass der Vater in einem Internet-Chat ankündigt, das Kind irgendwann zu sich zu nehmen, soll aber nicht ausreichen.

In der Praxis können mit Hilfe des Jugendamtes Wege gefunden werden, damit die Mutter nicht den unmittelbaren persönlichen Kontakt zum Vater aufnehmen muss. Dies kann z.B. über eine nur für diesen Austausch eingerichtete E-Mail-Adresse sein.

Anna Hönig
Rechtsanwältin

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