Kindergeld und Unterhalt beim Wechselmodell

Anna HönigDas Thema Wechselmodell ist in der familienrechtlichen Praxis in aller Munde. Dahinter verbirgt sich ein Modell, bei welchem getrennt lebende Eltern den Umgang so gestalten, dass sie die Kinder im Wechsel betreuen, also z.B. eine Woche beim Vater, eine Woche bei der Mutter.

Natural- und Barunterhalt

So weit so gut. Doch das Wechselmodell wirft viele Fragen zur Regelungen des Unterhaltes und des Kindergeldes auf. Teilen sich die Eltern die Betreuung der Kinder nicht im Wechselmodell, ist die Regelung einfach. Der Elternteil, bei welchem die Kinder ihren Lebensmittelpunkt haben, erhält das Kindergeld und leistet sogenannten Naturalunterhalt. Der andere Elternteil leistet seinen Unterhalt durch Zahlung eines Geldbetrages, also Barunterhalt.

Keine Unterhaltszahlungen bei hälftiger Betreuung

Bei dem Wechselmodell stellt sich die Frage, wer muss eigentlich den Barunterhalt zahlen, wenn doch beide Eltern die Betreuung übernehmen. Hier ist die Rechtsprechung kreativ geworden. Unterhaltszahlungen fallen nur dann weg, wenn sich beide Elternteile nahezu 50/50 die Betreuung teilen.

Familienkasse zahlt an nur ein Elternteil

Ist dies nicht der Fall, muss der eine Elternteil, der eben weniger als diese nahezu 50% betreut Barunterhalt leisten. Diese Prozente zu berechnen ist eine Kunst für sich und birgt leider auch ein hohes Konfliktpotenzial in sich. Was ist nun mit dem Kindergeld? Die Familienkasse wird das Kindergeld nicht aufteilen. Diese zahlt es an einen Elternteil. Hat der andere Elternteil einen Anspruch auf Ausgleich des hälftigen Kindergeldes?

Kindergeld hat beiden Eltern zuzukommen

Der Bundesgerichtshof hat mit Beschluss vom 20.04.2016, Az.: XII ZB 45/15 entschieden, dass ein solcher Ausgleichsanspruch bei einem praktizierten Wechselmodell besteht. Ein sog. familienrechtlicher Ausgleichsanspruch ist grundsätzlich in solchen Fällen anerkannt, in denen ein Elternteil für den Unterhalt eines gemeinsamen Kindes aufgekommen ist und damit den Unterhaltsanspruch des Kindes erfüllt hat, obwohl auch der andere Elternteil ganz oder nur zum Teil unterhaltspflichtig war. Ein Ausgleich des hälftigen Kindergeldes stellt einen Unterfall der familienrechtlichen Ausgleichsansprüche dar, auch wenn es sich bei dem Kindergeld um eine staatliche Sozialleistung handelt. Diese dient den Eltern zur Erleichterung des Kindesunterhaltes und hat damit beiden Eltern zuzukommen, wenn das Wechselmodell praktiziert wird.

Anna Hönig
Rechtsanwältin

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