„Sonst kommen Sie nicht in den Himmel“

Die Erblasserin hatte zwei Testamente errichtet. Im handschriftlichen Testament setzte sie A zur Alleinerbin ein. Im später errichteten notariellen Testament setzte sie die örtliche Kirche zur Alleinerbin ein.

Das für sich betrachtet, mag nicht besonders erscheinen. Ungewöhnlich sind aber die Umstände der Testamentserrichtung. Die A beantragte trotz des zweiten notariellen Testaments einen Erbschein, der sie als Alleinerbin ausweist. Sie zweifelte an der Testierfähigkeit und erklärte, dass sie das Testament wegen Drohung anfechte. Sie trug vor, dass die Erblasserin nur deshalb die Kirche zur Alleinerbin eingesetzt habe, weil der örtliche Pfarrer ihr mitteilte, dass sie anderenfalls nicht in den Himmel käme und die Kirche sich nicht weiter um sie „kümmern“ könne.

Aus unbekannten Gründen war dieser Pfarrer dann auch bei der Unterzeichnung des Testaments beim Notar zugegen. Das Gericht musste sich mit der Frage auseinandersetzen, ob die behauptete Äußerung zu einer Anfechtbarkeit des Testaments führte.

Im Kern hat das Gericht entschieden:

„Die Äußerung eines Dritten gegenüber dem Erblasser, er werde nicht „in den Himmel kommen“, stellt keine Drohung dar, da es sich hierbei nicht um die Ankündigung eines vom Willen des Dritten abhängigen künftigen übels handelt.“ KG FamRZ 2000,912

Übersetzt:

Es war keine Drohung, weil der Pfarrer sowieso nicht beeinflussen konnte, ob die Erblasserin „in den Himmel kommt“.

Die hier möglicherweise zu Grunde liegende Zielsetzung „in den Himmel“ zu kommen, ist in der Praxis eher weniger anzutreffen.

Häufig Gegenstand der Beratung sind aber Ziele, wie der Schutz des überlebenden Ehegatten und Auswirkungen von letztwilligen Verfügungen, z.B. im Bereich des Pflichtteilsrechts. Um hier eine wirklich passgenaue Lösung zu finden, die keine unbedachten und ungewollten Konsequenzen hervorruft – und damit ist nicht die Versperrung etwaiger Himmelstore gemeint – bietet sich die Einholung rechtlichen Rates an.

Maraike Hagelmann

Rechtsanwältin

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