Erben ohne Trauschein

Matthias Winterstein

Die „wilde Ehe“ ist längst nicht mehr wild. Das nichteheliche Zusammenleben gehört zu den alltäglichen Familienbildern. Im Erbrecht ist diese Lebenswirklichkeit noch nicht angekommen. Es gibt keine Absicherung für nichtverheiratete Paare. So bleibt es den Paaren überlassen, zu Lebzeiten Regelungen für die Situation zu treffen, wenn einer von ihnen stirbt.

Jeder kann ein Testament machen und den anderen Partner bedenken. Der einzig gemeinsame Weg ist jedoch der Erbvertrag. Unverheiratete Partner dürfen kein gemeinsames Testament aufsetzen.

Haben die Partner volljährige Kinder, können diese auch Vertragsparteien werden. Das kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn ein Familienunternehmen an die Kinder vererbt werden soll. Sämtliche Vereinbarungen im Erbvertrag sind für beide Seiten verbindlich. Diese Erbverträge werden vor einem Notar geschlossen und von diesem beurkundet. Dafür müssen beide Seiten anwesend sein. Beim Gespräch mit dem Notar überlegen die Partner, wie die Absicherung genau aussehen soll und was sie sich gegenseitig hinterlassen. Der Vertrag wird beim zuständigen Nachlassgericht amtlich verwahrt und beim zentralen Testamentsregister registriert. Partner können aber auch ein Hintertürchen in Form von Änderungs- oder Ausstiegsklauseln einbauen. Das ist besonders für den Fall der Auflösung einer Lebenspartnerschaft sehr zu empfehlen. Mit einem Erbvertrag können sich unverheiratete Partner aber auch wirksam vor Ansprüchen von gesetzlichen Erben, beispielsweise von gemeinsamen Kindern, schützen.

Die Steuerbelastung für Unverheiratete

Während Verheirateten und Kindern ein hoher Freibetrag beim Erben zusteht, fallen nichteheliche Partner bei der Erbschaftssteuer in die schlechteste Steuerklasse III und sind nur bis zu 20.000,00 € von der Erbschaftssteuer befreit. Für Werte, die diese Summe übersteigen, zahlen sie hohe Steuern, in der Regel 30 %.

Wohnungsrecht

Lebt das unverheiratete Paar zusammen in der Eigentumswohnung oder im Privathaus des einen Partners, kann der andere Partner die Immobilie für einen Zeitraum von 30 Tagen nach dem Erbfall weiter nutzen. Nach dieser Schonfrist muss der Partner damit rechnen, dass ihn die Erben vor die Tür setzen. Das nichteheliche Paar kann dies ausschließen, in dem der Eigentümer dem Lebenspartner in seinem Testament ein zeitlich befristetes oder lebenslanges Wohnungsrecht einräumt.

Matthias Winterstein

Notar mit Amtssitz in Ahrensburg

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Familienrecht und Erbrecht

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