Wer haftet für das geklaute Handy?

Ein Klassensatz Handys

Ein Klassensatz Handys

So oder so ähnlich sah es wohl in den vergangenen Tagen in vielen Klassenzimmern aus. Das Schüler ihre Smartphones mit in die Schule nehmen ist vollkommen normal geworden und offensichtlich hat die Praxis gezeigt, dass diese „klugen“ Telefone dem Zweck einer Klausur zuwiderlaufen könnten. Deshalb werden sie sehr oft vor der Klausur durch die Lehrer eingesammelt und auf das Pult gelegt, oder aber in einer Schachtel auf dem Pult aufbewahrt.

Was aber, wenn nach einer solchen Klausur das Handy plötzlich weg ist?

Diese Frage stellte mir neulich einer meiner Mandanten. Sein Sohn hatte am vergangenen Mittwoch Englischprüfung und vor Beginn der Prüfung mussten alle 22 Schüler ihre Handys, so wie oben beschrieben abgeben und in eine Box legen. Als der Sohn des Mandanten als einer der Letzten seine Prüfungsarbeit abgab, war sein Handy weg.

Muss der Lehrer dafür haften?

Da der Lehrer im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit gehandelt hat, haftet er nur dann selber, wenn er grob fahrlässig oder gar vorsätzlich gehandelt hat. Sonst haftet der Arbeitgeber, in diesem Fall das Land Hamburg.

Voraussetzung für eine Haftung des Landes ist, dass der Lehrer fahrlässig gehandelt hat. Er muss also die erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen haben. Der Lehrer ließ die Schüler die Handys vor der Klausur – wie schon geschrieben – in eine Kiste legen lassen, ohne dass die Handys mit einem Namen gekennzeichnet gewesen wären. Wie in Prüfungen so üblich, gingen die Schüler, die fertig waren eher raus und nahmen sich im Vorbeigehen ihre Handys mit, ohne dass der Lehrer darauf geachtet hätte, wer sich welches Handy nahm.

Die Forderung, dass die Schüler das Handy in den Gewahrsam der aufsichtsführenden Lehrkraft geben müssen, begründet m.E. ein Verwahrverhältnis, Kraft dessen die Lehrkraft für den Verbleib des Handys bis zur Wiederaushändigung an den Schüler haftet.

Das der Lehrer dann bei der Rückgabe nicht darauf achtete, dass sich jeder wirklich nur das Handy nahm, welches ihm gehörte, hat er seine Verpflichtung aus dem Verwahrverhältnis verletzt, weil er nicht sicherstellte, dass er das Handy auch wieder herausgeben kann. Hierfür hätte er unter anderem damit sorgen können, dass die Handys tatsächlich namentlich gekennzeichnet werden und der Lehrer das Gerät zurückgibt, statt es sich durch die Schüler einfach nehmen zu lassen.

Meiner Meinung nach hat der Lehrer in der Tat fahrlässig gehandelt und haftet für den Verlust.

Mitverschulden des Schülers

Nun stellt sich noch die Frage, ob und in welchem Umfang dem Schüler ein Mitverschulden zuzurechnen ist. Im Falle von Schülerhandys muss man unterscheiden zwischen Handys, die konfisziert werden, weil sie den Unterricht stören, oder ob, wie hier, die Schüler von Anfang an verpflichtet waren es abzugeben. In ersterem Fall hätte es dem Schüler oblegen, dafür zu sorgen, dass sein Handy den Unterricht nicht stört. Tritt dieser Fall doch ein, ist es quasi ihm zuzuschreiben, dass das Handy „kassiert“ wurde und es ist ein Mitverschulden anzunehmen.

Für die Prüfungssituation kann ich das nicht sehen. Solange es kein generelles Verbot gibt die Handys mit in die Schule zu nehmen, kann ihm dies nicht angelastet werden und er muss darauf vertrauen können, sein Telefon nach der Prüfung auch zurück zu erhalten.

Fazit

Der Schüler hat gegen das Land Hamburg einen Anspruch auf Ersatz des ihm entstandenen Schadens. Ich bin gespannt, wie lang und schwer der Kampf um den Schadensersatz wird.

Die Frage, in wie weit das Land seinen Lehrer in Regress nimmt, wird sich an der Frage entscheiden, ob er grob fahrlässig gehandelt hat. Andere Möglichkeiten gibt es viele, der Lehrer hat die für sich bequemste aber auch unsicherste gewählt…

Zum Schluss noch ein Tipp an die Schüler: Wenn Ihr wisst, dass ihr ausschließlich für die Prüfung in die Schule geht und auch wisst, dass Ihr die Handys dabei abgeben müsst, denkt vielleicht mal darüber nach, ob es nicht schlauer wäre, das Handy gleich Zuhause zu lassen 😉

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